Schauspiel

Mut, Vertrauen, Zukunftsvision, Utopie, Oder auch: Hoffnung.

Mit unserem Spielplan wollen wir mit Enthusiasmus und Wärme eine neue Intendanz einläuten: Wir wollen unser Theaterverständnis anschaulich machen, unseren Überschwang und Übermut mit in unsere neue Wahlheimat und die großen Themen der Zeit – auch jenseits von Covid-19 – zum Ausdruck bringen.

Unter der Überschrift Gute Hoffnung rankt sich unser Spielplan deshalb um drei große Themenkomplexe herum. Zur großen Eröffnung wird eine Wiederentdeckung der jüdischen Exilliteratin Anna Gmeyner das Schwerpunktthema KLASSE anstoßen. Welt überfüllt zeichnet eine Großstadtgeschichte, die zwischen Existenzangst und Glücksmomenten, Arbeitslosigkeit und zärtlicher Liebe oszilliert. Der Klassiker Woyzeck erzählt ebenfalls von einem Mann am Rande der Gesellschaft. Der Soldat wird in dem Bestreben für seine Familie zu sorgen weiter und weiter in den Wahnsinn getrieben und begeht schließlich einen Femizid.

In Zeiten, in welchen in Europa Menschen zur Waffe greifen, um ihre Heimat zu verteidigen, blicken wir nicht nur mit neuem Blick auf Büchners letztes Werk, sondern auch auf Kissyface von Noah Haidle. Urplötzlich bricht über eine Highschool in den USA ein Krieg herein. Während ihre Welt in Chaos versinkt, setzen ein paar Mutige humanistische und demokratische Werte als Bollwerk gegen den Krieg. Der Theatermacher Tuğsal Moğul wird eine andere Art von brachialer Gewalt theatral verarbeiten: In And now Hanau erforscht er das rassistische Attentat vom 19.2.2020, bei dem neun Menschen ermordet wurden und dessen Ermittlung durch rassistisch motivierte Vorgehensweisen gestört war.

Mit insgesamt drei Uraufführungen wird im Schwerpunkt FRAUEN & MACHT die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft und im politischen Machtgefüge beleuchtet. Während Die Wahrheit über Leni Riefenstahl die ambivalente Figur zwischen genialer Künstlerin und skrupelloser Politikerin in einer Macht- und Männerdomäne neu befragt, beschäftigt sich § 218 mit der Lebenswirklichkeit vieler Frauen von heute und der vergangenen Generationen. Das Kollektiv werkgruppe2 wird in Recherchen vor Ort ergründen, wie der „Abtreibungsparagraph“ in das Leben der Frauen in Oberhausen eingegriffen hat und weiter eingreift. Und Felicia Zeller schreibt ein neues Stück für unsere Open-Haus-Kooperation mit dem Frauenhaus Oberhausen.

Der lange Schlaf hingegen beschäftigt sich mit der Krise im KLIMA, dem dritten großen thematischen Feld, das vor allem auch im Jungen Theater zum Tragen kommt. Das australische Stück zeigt uns unsere Welt in der nahen Zukunft, in der wir alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht haben und mit dem Rücken zur Wand stehen. Die Lösung: ein einjähriger Schlaf, in dem sich Flora und Fauna vom Menschen erholen sollen.

Während diese Schwerpunkte dazu einladen, sich den Problemen unserer Gesellschaft zu stellen und dabei Hoffnungen, Lösungen und Utopien zu suchen, wollen wir aber auch den Mut und das Vertrauen dafür nähren – und was kann das besser als die Liebe oder Freundschaft zwischen Menschen? Wir eröffnen das Haus als Höhepunkt des Theaterfestes mit dem Liederabend Gute Hoffnung – Songs für Oberhausen, in dem sich das gesamte Ensemble musikalisch vorstellen wird. In zwei herren von real madrid verlieben sich in einer fantastischen Welt ganz selbstverständlich zwei Fußballspieler, während in State of the Union von Kultautor Nick Hornby zwei Menschen schlagfertig und mit viel Witz um ihre Ehe kämpfen. Was passiert eigentlich, wenn wir Freundschaft kapitalisieren? Mit dem fiktiven Start-Up Rigby möchte das Regie-Duo Kaufmann/Witt am Ende der Pandemie mithilfe einer App innerhalb des Ruhrgebiets eine Community bilden, die Freundschaftsdienste gegenseitig anbietet und bucht. Natürlich nur gegen Credits.

In der Hoffnung, neue aufregende und spannende Theaterstimmen kennen zu lernen, sind wir Teil des Goethe-Institut-Projektes New Stages Southeast für Nachwuchsautor:innen aus Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Rumänien, Republik Moldau, Serbien und Zypern, die neue Texte für ein Theater der Zukunft schreiben und diese am Theater Oberhausen präsentieren werden.

Auf eine inspirierende, ergreifende, erschütternde und hoffnungsstiftende Spielzeit 2022/23 in Oberhausen!

Saskia Zinsser-Krys
Chefdramaturgin